Geltungsbereich
Diese Seite fasst die Methoden-, Ethik- und Datenregeln zusammen, die für das eigene Programm des Instituts und für jede Auftragsstudie gelten. Die Regeln stützen sich auf veröffentlichte Dokumente: den Messrahmen (IRISP/2026/005) und das Protokoll zu Befragungsethik und Anonymisierung (IRISP/2026/002). Weicht eine Studie davon ab, werden Abweichung und Grund im Methodenanhang dieser Studie genannt.
Die Seite ist versioniert. Jede Änderung wird mit Datum und Versionsnummer festgehalten; frühere Versionen sind auf Anfrage erhältlich.
Begriffe und ihre Messung
Jede Forschungsfrage misst genau einen der folgenden Begriffe, und der Bericht nennt ihn. Begriffe werden nicht auf dieselbe Richtig-falsch-Skala gezwungen; wo ein Vergleich nicht angemessen ist, wird die Grenze genannt.
- Wahrnehmung — eine in einer Bevölkerung geteilte Überzeugung: die vorherrschende Sicht darauf, wie die Dinge sind. Messung: die eigene Sicht der befragten Person und ihre Schätzung dessen, was die Mehrheit denkt, werden getrennt erhoben; die Differenz ist die Lücke der wahrgenommenen Mehrheit.
- Einstellung — ein wertendes Urteil über einen Gegenstand: Zustimmung oder Ablehnung. Messung: Ratingskala. Eine Einstellung kann nicht wahr oder falsch sein und wird nicht mit dem Befund verglichen.
- Vertrauen — die Bereitschaft, sich auf eine Institution, eine Quelle oder eine Person zu verlassen. Es gehört zur Familie der Einstellungen; es wird nicht mit Faktenwissen über die Institution verwechselt und getrennt berichtet.
- Erfahrung — ein Ereignis, das der befragten Person widerfahren ist. Messung: Selbstauskunft. Sie kann neben den Befund gestellt werden; sie ersetzt keine Evidenz, sondern ist deren Spur auf Personenebene.
- Faktenschätzung — eine numerische Schätzung einer überprüfbaren Größe. Messung: Schätzfrage. Quelle, Datum und Reichweite des Vergleichsindikators stehen in jeder Tabelle; ohne Indikator geht die Schätzung in keine Lückenberechnung ein.
- Wahrnehmungslücke — der Abstand zwischen Wahrgenommenem und Gemessenem oder Dokumentiertem. Sie wird nur für Faktenschätzungen und Fragen zur wahrgenommenen Mehrheit berechnet; für Einstellung und Vertrauen gibt es keine Lücke.
Grundlagen
Die Begriffsdefinitionen und der Messansatz stützen sich auf die folgenden Quellen; der Verweis auf die eigenen Dokumente des Instituts gilt allein nicht als ausreichend. Jede Angabe wurde einzeln geprüft.
- Lippmann, W. (1922). Public Opinion. Harcourt, Brace. — der Abstand zwischen öffentlicher Wahrnehmung und Tatsache.
- Ross, L., Greene, D. & House, P. (1977). The “false consensus effect”: An egocentric bias in social perception and attribution processes. Journal of Experimental Social Psychology, 13(3), 279–301. — wahrgenommene Mehrheit.
- Noelle-Neumann, E. (1974). The spiral of silence: A theory of public opinion. Journal of Communication, 24(2), 43–51. — Wirkung der Mehrheitswahrnehmung auf Verhalten.
- Prentice, D. A. & Miller, D. T. (1993). Pluralistic ignorance and alcohol use on campus. Journal of Personality and Social Psychology, 64(2), 243–256. — pluralistische Ignoranz.
- Zaller, J. R. (1992). The Nature and Origins of Mass Opinion. Cambridge University Press. — Entstehung von Einstellungen und Meinungen.
- Duffy, B. (2018). The Perils of Perception: Why We’re Wrong About Nearly Everything. Atlantic Books. — Lücken bei Faktenschätzungen.
- Groves, R. M., Fowler, F. J., Couper, M. P., Lepkowski, J. M., Singer, E. & Tourangeau, R. (2009). Survey Methodology (2. Aufl.). Wiley. — Stichprobe, Messfehler, Gewichtung.
- AAPOR. Code of Professional Ethics and Practices; Best Practices for Survey Research. — fachlicher Maßstab; bedeutet weder Mitgliedschaft noch Zertifizierung.
Technischer Methodenanhang
Jede Messung wird mit einem Methodenanhang veröffentlicht, der die folgenden Punkte enthält; ein Ergebnis ohne Anhang wird nicht veröffentlicht. Der erste ausgefüllte Anhang erscheint mit dem Bericht der ersten Erhebungsrunde (4. Quartal 2026).
- Grundgesamtheit und Reichweite (Land, Alter, Sprache)
- Auswahlrahmen, Stichprobenverfahren und -größe; nicht erreichte Gruppen
- Erhebungsmodus, Erhebungszeitraum und Feldorganisation
- Vollständiger Fragebogen und Übersetzungsprotokoll
- Pilotstudie und vorgenommene Änderungen
- Gewichtungsvariablen und ihre Quelle
- Qualitätskontrollen: Konsistenz, Dauer, Nachkontakt
- Unsicherheitsmaß und zugrunde liegende Annahmen
- Grenzen und Fälle, in denen ein Vergleich nicht angemessen ist
- Falls künstliche Intelligenz eingesetzt wurde: Aufgabe, Grenzen und menschliche Aufsicht
De-Identifizierung und Schlüsselregime
Datensätze werden bei der Erhebung de-identifiziert: direkte Identifikatoren werden vom Datensatz getrennt, der Datensatz wird unter einem Code geführt. Der Schlüssel, der Code und Identität verbindet, wird in einer getrennten Umgebung aufbewahrt; der Zugriff ist auf Personen beschränkt, die der Verantwortliche schriftlich autorisiert hat, und jeder Zugriff wird protokolliert.
Der Schlüssel wird innerhalb von neunzig Tagen nach Abschluss der Feldarbeit vernichtet. Solange der Schlüssel besteht, sind die Daten nicht anonym, sondern pseudonym, und werden so bezeichnet. Die Vernichtung allein gilt nicht als ausreichend: indirekte Identifikatoren wie Alter, Wohnort und Beruf werden auf das Risiko einer Re-Identifizierung geprüft und bei Bedarf vergröbert.
Daten auf Personenebene verlassen das Institut unter keinen Umständen — weder an die Öffentlichkeit noch an den Auftraggeber.
Teilnahme, Widerruf und Löschung
Drei Vorgänge werden getrennt gehalten, und alle drei werden der teilnehmenden Person bei der Einwilligung erläutert.
Abbruch des Interviews: jederzeit, ohne Angabe von Gründen. Auf Wunsch werden die bis dahin gegebenen Antworten gelöscht.
Widerruf der Einwilligung: möglich, bis der Schlüssel vernichtet ist. Die Anfrage wird über den der Person mitgeteilten Code oder das Interviewdatum zugeordnet, und der Datensatz wird gelöscht. Nach Vernichtung des Schlüssels kann der Datensatz niemandem mehr zugeordnet werden; ein Widerruf ist dann nicht mehr umsetzbar.
Ein Antrag auf Auffinden und Löschen eines Datensatzes unterliegt derselben Grenze. Es wird kein Versprechen gegeben, das den technischen Möglichkeiten widerspricht; „jederzeit widerrufbar“ gilt nur für die Schlüsselphase.
Wissenschaftliche Begutachtung und Korrektur
Das Impressum jeder Publikation nennt den Begutachtungsstatus mit einem von drei Etiketten: Interne Begutachtung (wissenschaftlicher Beirat, vor der Veröffentlichung); Externe Begutachtung (namentlich genannte externe Gutachterin oder Gutachter, nur wo sie stattfand); Unbegutachtet (Arbeitspapiere und Dokumente, die vor der Berufung des Beirats erschienen sind). Eine Begutachtung, die nicht stattfand, wird nicht behauptet.
Die Gutachterinnen und Gutachter wählt der wissenschaftliche Beirat aus. Ein Mitglied mit einer Bindung, die eine Begutachtung beeinflussen könnte, tritt zurück; der Rücktritt wird festgehalten.
Wird ein wesentlicher Fehler festgestellt, erhält das Impressum der Publikation einen datierten Korrekturvermerk und eine neue Versionsnummer; die frühere Version bleibt zugänglich. Da der wissenschaftliche Beirat noch nicht berufen ist, gelten alle bisher veröffentlichten Dokumente als unbegutachtet, und ihr Impressum sagt dies.
Offene Publikation und Auftragsforschung
Das eigene Programm des Instituts ist Open Access: Bericht, Methodenanhang und aggregierte Daten werden gemeinsam veröffentlicht.
In einer Auftragsstudie gehören die Befunde dem Auftraggeber und werden ohne dessen Zustimmung nicht veröffentlicht. Macht der Auftraggeber einen Befund öffentlich, werden auch der Methodenanhang und die Identität des Auftraggebers zugänglich gemacht; diese Bedingung ist Teil des Vertrags. Es gelten derselbe Messrahmen und dasselbe Ethikprotokoll; eine Studie, die eine Abweichung vom veröffentlichten Protokoll verlangt oder deren Ergebnis vorab feststeht, wird nicht übernommen.
Datenweitergabe und Reproduzierbarkeit
Mit jeder Studie werden weitergegeben: aggregierte Tabellen, der Fragebogen, das Datenwörterbuch und der Analysecode. Jedes Paket trägt eine Versionsnummer und Nutzungsbedingungen; aggregierte Tabellen erscheinen unter offener Lizenz (CC BY 4.0).
Für Mikrodaten wird die Zugangsstufe nach Prüfung des Re-Identifizierungsrisikos festgelegt und mit Begründung genannt: offen (vergröbert), auf Antrag (für Forschende, mit Nutzungsvereinbarung) oder nicht weitergegeben (bei hohem Risiko). Personenbezogene Daten werden auf keiner Stufe offen zugänglich gemacht.
Solange keine Daten vorliegen, wird kein leerer Datenbereich veröffentlicht; das erste Paket erscheint mit dem Bericht der ersten Erhebungsrunde.